Brain Week 2001

Internationale Woche des Gehirns

12. - 18. März 2001

 

Der Zuhörerschaft aus der Seele gesprochen

Bruchhausen-Vilsen: Im Rahmen der internationalen Woche des Gehirns fand am Freitag 16. März im Kur Centrum eine Tagung statt, die großes Interesse weckte.  Schädelhirn­verletzungen und der Umgang damit war das Thema, zu dem Zuhörerinnen und Zuhörer aus ganz Norddeutschland angereist waren. Statt der erwarteten 30 kamen mehr als 70 Teilnehmer.

Nach der Begrüßung durch den Heimleiter Hans-Joachim Seuß und Markus Hallaschka vom Kur Centrum, ging es zunächst um das Wach-Koma. Der Vortrag von Harald Faltz, dem Achimer Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und Naturheilverfahren, ging der Frage nach: „Ist eine Begegnung möglich?“.

Was ein Begleiter oder eine Begleiterin von Wach-Koma-Patienten mit ihren Gefühlen, mit ihrer Wut, ihrer Trauer, mit Zorn, Verzweiflung, Resignation mach­en kann, wurde ebenso versucht zu beantworten, wie die Proble­matik der Kommunikation. Die anschließenden Rückmel­dungen zeigten, dass er seiner Zuhörer­schaft wohl aus der Seele gesprochen hatte.

Frau Dr. Barbara Schelliger, HNO-Ärztin in Bassum, beschäftigte sich mit der Frage, ob eine Trachealkanüle auf Lebenszeit getragen werden müsste, oder ob es eventuell Alternativen geben könnte. Auch hier zeigte die anschließende Diskussion ein hohes Maß an Konzentration auf das Thema, sowohl von Angehörigen als auch von Pflegenden.

Die Regionalbetreuerin der Selbsthilfegruppen von Ange­hörigen von Schädelhirnverletz­ten, Roswitha Stille, wünschte in ihrem Kurzvortrag, dass die

Hirnforschung vorangetrieben wird, „damit die Betroffenen irgendwann davon profitieren, da das Gehirn die Schlüsselrolle bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens darstellt“.

H.J. Seuß

Gehirnparcours

Darmstadt: Im neu eröffneten Beratungsbüro für Schädel-Hirn-Verletzte in Darmstadt war ein Gehirn­parcours aufgebaut, der vielen Interessierten deutlich machte mit welchen kognitiven Schwie­rigkeiten Hirnverletzte zu kämpfen haben. Dr. Stefan Ries, Facharzt für Neurologie aus Erbach stellte das umfangreiche Hirnleistungsprogramm „MEMOMAX“ vor. Nach einer individuellen Testung können mit diesem Programm neuropsycho­logische Defizite und Persönlich­keitsveränderungen erfasst und verbessert werden. Alles in allem, ein hoch interessanter Tag, der im nächsten Jahr in einem größeren Rahmen stattfinden wird.

B. Stahl

Neuropsychologie

Hamburg: 

Wie wichtig es ist, die spezielle Problemstellung der neurologisch Erkrankten kompetent anzugehen und auch das soziale Umfeld mit ein zu beziehen, konnten die Besucher am Tag der offenen Tür in der Neuropsychologischen Praxis Dr. Bodenburg erfahren.Dr. Sebastian Bodenburg und Dipl.Psych. Marion Erbe-Heinbokel informierten u.a. auch über die besonderen Behand­lungsverfahren in der ambulanten Neuropsychologie.

K.E. Siegel

Reise in das Gehirn

Hannover: Mit einer „Reise in das Gehirn“ lud das INI International Neuroscience Institut am 15. März 2001 anlässlich der Brain Week die Öffentlichkeit zu einer Informationsveranstaltung und Führung durch das selbst baul­ich einem Gehirn nachempfun­denen Institut ein.

 

Der Hörsaal des INI in Hannover fasst 140 Personen, was auch von den Organisatoren als maximal erwartete Besucher angesehen wurde. Bereits vor 14:00Uhr war klar, dass das Interesse der Hannoverschen Bevölkerung doch größer als erwartet war, doch dass es letztlich über 800 Besucher werden würde war nicht abzusehen.

Die Besucher erlebten nicht nur eine hoch interessante Führung durch das hi-tech Gehirn sondern erlebten auch die menschliche Offenheit von Dr. med. Steffen Rosahl, Oberarzt der Prof. Dr. med.Prof.Dr.h.c.mult.M. Samii, der leider auf einer Auslandsreise weilte, vertrat.

 

 

Der kleine Brainparcour des Bundesverbands SHV war zeitweise nicht mehr zu sehen und konnte sowohl den Nicht-Hirnverletzten als auch den Angehörigen von Hirnverletzten Aufschluß über manche Phänomene einer neurologi­schen Erkrankung veranschau­lichen.

K.E. Siegel

 

 

 

 

Hausgemeinschaften

Heidelberg: „Nie mehr weg von hier!“ so beendeten zwei Hirnverletzte die Führung durch die Diakonische Hausgemein­schaft und durch ihr „privates Reich“ nicht ohne sichtbaren Stolz, hier eine neue Familie gefunden zu haben.

Um mehr solcher „integrativer Lebensformen“ für chronisch Erkrankter aufzubauen und auf ein solides Fundament zu stellen wird noch in diesem Jahr ein Fachgremium gebildet, das ein erweitertes Konzept ausarbeitet und umsetzen soll. Dr. Eckart Muser vom württembergischen Fußballbund überreichte dafür eine großzügige Spende und nutzte die Gelegenheit das finanzielle Engagement des DFB für die Belange Hirnverletzter in ein konkretes Projekt einzu­bringen. Ein Ansatz der Brain Week wurde hier sichtbar, nämlich dass Öffentlichkeits­arbeit auch vermehrt Förder­gelder frei setzen wird. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden.

I. Pramberger

 

 

 

 

Welcome back to live

Heilbronn: Dass „welcome back to live“ herzlich aber nicht unbedingt von vielen aus der Bevölkerung begriffen wurde mussten die beiden Bands, die selbst ihre Erfahrungen mit dem Koma gemacht hatten „The Past Alive“, „Cruise Control“ und dem selbstbetroffenen René Siedler und seine Familie erfahren. Die Besucherzahl blieb leider unter der erwarteten, was jedoch der Qualität und Begeisterung des Benefizkonzertes keinen Ab­bruch leistete.

K.E. Siegel

 

 

 

 

Selbsthilfefirma

Ludwigshafen: 

 

Über die Möglichkeiten einer sozialen Integration konnten sich die Besucher in Maudach informieren. Arbeiten und wohnen in der eigens dafür errichteten Service-Wohnanlage.

Der Selbsthilfeverein ceres Rhein-Neckar stellte sich und die von ihm initiierte Integrationsfirma IFBO vor.

 

 

 

 

 

Talk mit Ehemaligen

Neresheim: Zahlreiche Besu­cher, auch viele Nichtbetroffene mit regionalem Bezug zu Neresheim kamen in das Fachkrankenhaus Neresheim. Hier konnten sie durch simulierte Wahrnehmungsstö­rungen, Reiz­überflutungen, etc. ihr eigenes Gehirn in seiner (Dis-)Funktion erleben.

Dass Lebensqualität nicht von einer noch so dramatischen Krankheitsgeschichte abhängt erfuhren die Besucher in der Talkrunde mit früheren Patien­ten. So spielte ein Patient Kla­vier, ein anderer berichtete von seiner kurzlichen Heirat. Der eigne Wille, der in der Extremsi­tuation „Koma“ durch das soziale Umfeld gestärkt werden muss, ist ausschlaggebend für das Er­greifen der persönlichen Re­ssourcen eines jeden einzelnen. Herr Schaber, Geschäftsführer des Fachkrankenhauses hat auf Grund der guten Resonanz bereits Pläne für die Brain Week 2002. Es wird wieder sehr span­nend.

Schaber/Siegel

 

 

 

 

Ohne Hirn geht gar nichts

Nürnberg: Wie sieht das Gehirn eigentlich aus, wie funktioniert es? Auch darüber gab es im VdK-Haus in Nürnberg jede Menge Informationen.

In Nürnberg kam die Information über die Brain Week im Januar aus dem Internet. Die Idee kurzfristig bei der Internationale Woche des Gehirns mit zu machen fand bei mehreren Hirnverletzten großes Interesse.

Am 16. März 2001 präsentierten sich sieben Selbsthilfegruppen, drei Beratungsstellen für Hirn­verletzte und zwei Rehakliniken im VdK-Haus.

Dabei ging es nicht nur um Unterstützung und Therapiefor­men für Betroffene, sondern auch darum, das Gehirn besser kennen zu lernen. In einem kleinen Erfahrungsfeld zum Beispiel konnten die Besucher mit ihren eigenen Sinnen und mit Gedächtnis­funktionen experimentieren oder sich im Gehirnjogging üben.

 

 

Die lokale Presse, der Bayrische Rundfunk und das Franken Fernsehen waren gekommen und berichteten über unsere Aktion. Auch wenn bei über einhundert Besucher die Sitzplätze knapp wurden so herrschte eine sehr gute Atmosphäre und war sowohl für die Besucher als auch für die Aktiven eine wichtige und motivierende Erfahrung. Das starke Interesse gibt uns Mut, im nächsten Jahr uns in einem größeren Rahmen wieder an der Brain Week zu beteiligen.

Chr. Hartwig

 

 

 

 

Brain Peer Support

Recklinghausen: 

 

Im activum des Elisabeth Krankenhauses berichtete Carsten Rensinghoff, über seine eigene Betroffenheit und über die daraus erwachsene Möglichkeit aus eigener Erfahrung Betroffene adäquat zu unterstützen. Dabei stellte er mit dem „Brain Peer Support“ eine neuropädagogische Maßnahme zur Rehabilitation schwer Hirnverletzter für das Berufsleben vor.

K.E. Siegel

 

 

 

 

Pflegekonzept für Kinder

Schömberg: Ein ganz neues interdisziplinäres Pflegekonzept wurde in der Kinderklinik Schömberg im Rahmen der Internationalen Woche des Gehirns vorgestellt. Experten aus den Bereichen Medizin, Pädagogik, Pflege, Therapie und dem MDK (Medizinischer Dienst) trugen nicht nur diesen alle Berufszweige vernetzenden Ansatz vor, sondern setzten diesen in den Workshops an beiden Tagen auch praktisch mit den Teilnehmern um. Nicht nur die Resonanz auf das Projekt „gemeinsame Pflege“ war mit  insgesamt 80 Teilnehmer sehr groß, sondern viele Vertreter eigener Einrichtungen wollen dieses Modell auch in Ihr Haus einbinden.

Chefarzt Dr. Diener der die Kinderklinik erst letztes Jahr übernahm, hat damit wieder einmal gezeigt, dass Innovation und Professionalität einer Einfühlsamkeit und Hingabe zum Patient nicht entgegensteht, sondern eine Forderung für das zu behandelnde Kind sein muss.

K.E. Siegel

 

 

 

 

„Liebe sei Tat“
eine Woche lang.

Schwäbisch Gmünd: Ihr Leitgedanke war gleichzeitig Programm für die Internationale Woche des Gehirns bei den barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Mit der Vernissage „Brückenschlag“, eine Kunstausstellung hirnver­letzter Künstler wurde durch Oberin Seniorenzentrum St. Anna, Edit Schillsott und dem Vorsitzenden der Gabriele Siegel Stiftung, Karl-Eugen Siegel die Internationale Woche des Gehirns 2001 in Deutschland eröffnet. Dass das Senioren­zentrum ein Ort der aktiven Begegnung und Auseinanderset­zung mit dem Leben ist, wurde durch die mannigfaltigen Vor­träge deutlich. Das Interesse der Gmünder Bevölkerung übertraf deutlich den Erwartungen der Veranstalterin. Die Themen: „Wie diagnostiziert man einen Zappelphilip?“, „Was unser Gehirn aus Alltäglichem macht!“, „Der Körper als fundament zum Lernen“, „Gesundes Wohnen durch Feng Shui“. Der Abschluß dieser hoch interessanten Woche des Gehirns in St. Anna bildete die Eröffnung der Station „Junge Pflege“. Auf dieser Station können bis zu 15 schwerst Schädel-Hirn-Verletzte Heimat finden. Wie wichtig diese Station im Bewußtsein der Schwestern ist zeigt die Tatsache, dass die General­oberin Schwester Marieluise Metzger persönlich die Schirm­herrschaft für die Station „Junge Pflege“ übernommen hat.

K.E. Siegel

 

 

 

 

Sinnes-Pavillon

Soltendieck: Dass Aufklärung auch dort sinn-voll ist, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht wünschen konnten die BesucherInnen im Sinnes-Pavillon der betroffenen Familie Stille/Lübke erleben.

 

 

R. Lübke

 

 

 

 

Verzaubert

Stuttgart: Die Passanten in der Stuttgarter Innenstadt wurden durch Petro dem Zauberer magisch angezogen. Was sie jedoch nicht ahnten war, dass sie an dem kleinen Brainparcour von ceres Stuttgart mit Irritationen ihre eigenen Erfahrungen machen konnten. Nicht nur die Sinne sondern das Gehirn selbst gaukelt uns Dinge vor, die zwar aus unserer Erfahrung heraus richtig aber eben doch nicht real ist.

Welche Möglichkeiten Eltern haben ihr hirnverletztes Kind in ihrem Testament sinnvoll zu bedenken stellte der Notar Lothar Schnell am Nachmittag einem hoch interessiertem Zuhörerkreis vor.

Der Abschluß sowohl in Stuttgart als auch der Brain Week 2001 bildete das Benefizkonzert in der Domkirche St. Eberhard. Ein außergewöhnliches Konzert erlebten die Besucher, denn das vom Organisten Thomas M.J. Schäfer arrangierte Programm führte durch kurze Textbeiträge von zwei Hirnverletzten in beeindruckender Weise in das Thema der Internationalen Woche des Gehirns ein.

I. Pramberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Zuhörerschaft aus der Seele gesprochen

Gutbesuchte Tagung im Kur-Centrum zum Thema Schädelhirnverletzungen macht Mut zur Fortsetzung.

 

Bruchhausen-Vilsen: Zum ersten Mal gab es in Deutschland eine „Woche des Gehirns“, allerdings in Niedersachsen dazu nur drei Veranstaltungen. Die Initiatoren hoffen jedoch daraus ein jährlich wiederkehrendes großes Ereignis machen zu können. Die Tagung dazu am Freitag im Kur Centrum weckte zumindest großes Interesse, statt der erwarteten 30 kamen mehr als 70 Teilnehmer.

Schädelhirnverletzungen und der Umgang damit war das Thema, zu dem Zuhörerinnen und Zuhörer aus ganz Norddeutschland angereist waren. Nach der Begrüßung durch den Heimleiter Hans-Joachim Seuß und Markus Hallaschka vom Kur Centrum, ging es zunächst um das Wach-Koma. Der Vortrag von Harald Faltz, dem Achimer Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und Naturheilverfahren, ging der Frage nach: „Ist eine Begegnung möglich?“.

Was ein Begleiter oder eine Begleiterin von Wach-Koma-Patienten mit ihren Gefühlen, mit ihrer Wut, ihrer Trauer, mit Zorn, Verzweiflung, Resignation machen kann, wurde ebenso versucht zu beantworten, wie die Problematik der Kommunikation. Harald Faltz wies auf zwei mögliche Wege hin, die Kraniosacral-Therapie einerseits und die Modelle C.G. Jungs zur Kommunikation. Die anschließenden Rückmeldungen zeigten, dass er seiner Zuhörerschaft wohl aus der Seele gesprochen hatte.

 

Kanüle auf Lebenszeit?

 

Frau Dr. Barbara Schelliger, HNO-Ärztin in Bassum, beschäftigte sich mit der Frage, ob eine Trachealkanüle auf Lebenszeit getragen werden müsste, oder ob es eventuell Alternativen geben könnte, Therapieverfahren, die ein Leben ohne diese Beeinträchtigung möglich machen könnten. In ihrer mehr als 20-jährigen Berufspraxis hatte sie sich ausführlich mit diesem Thema befasst. In ihrem Vortrag wurde deutlich, dass Alternativen ein Maximum an menschlicher Zuwendung bedeuten, an Arbeit mit den Patienten, die wohl vorwiegend von Logopäden geleistet werden müsste, um den Schluckreflex wieder zu wecken. Auch hier zeigte die anschließende Diskussion ein hohes Maß an Konzentration auf das Thema, sowohl von Angehörigen als auch von Pflegenden.

 

Schlüsselrolle

 

Die Regionalbetreuerin der Selbsthilfegruppen von Angehörigen von Schädelhirnverletzten, Roswitha Stille, wünschte in ihrem Kurzvortrag, dass die Hirnforschung vorangetrieben wird, „damit die Betroffenen irgendwann davon profitieren, ... da das Gehirn die Schlüsselrolle bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens darstellt“. Sie wies darauf hin, dass Selbsthilfegruppen nicht die Arbeit machen können, die von Angehörigen geleistet werden muss, aber dass Ratschläge und menschliche Anteilnahme dort zu finden sei.

Im übrigen sehen sich Selbsthilfegruppen als Ansprechpartner der Rehakliniken, der Pflegeeinrichtungen, der Therapeuten und der ambulanten Pflegedienste – und das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Weiterentwicklung der Forschung.

 

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1. Kinderpflegetage in Schömberg

 

Offene Workshops und Erfahrungsaustausch

über die Pflege mehrfachbehinderter Kinder

 

mit der Arbeitsgruppe Kinderpflege

 

 

Frau Dr. Becker, MDK Nordrhein                      40210 Düsseldorf

Frau Dr. Brauns, MDK Brandenburg                 16225 Eberswalde

Frau Habel, MDK Westfalen-Lippe                    58452 Witten

Frau Otte, MDK Westfalen-Lippe

Herr Dr. Hosse, MDK Westfalen-Lippe             44787 Bochum

Herr Dr. Lürken, MDS Essen                             45141 Essen

Herr PD Dr. Mohrmann, MDK Baden -W          77933 Lahr

Herr Dr. Schubert, MDK Baden-W.                   77933 Lahr

 

Frau Prof. Bullinger                                            22529 Hamburg

Frau Dr. Gutschmidt                                          35039 Marburg

Frau Dr. Raven-Sieberer                                   22529 Hamburg

                                                                           Frau Prof. Schiemann       49076 Osnabrück

Frau PD Dr. von Steinbüchel                             80336 München

Frau PD Dr. Thyen                                            23538 Lübeck

Frau PD Dr. Warschburger                               28359 Bremen

Frau G. Wild                                                       63857 Waldaschaff

Herr Dr. Diener                                                  75328 Schömberg

Herr Dr. Hoffart                                                  55130 Mainz

Herr Prof. Dr. Haas                                            70174 Stuttgart

Herr Dr. Knecht                                                  CH-8910 Affoltern a. A.

Herr Dr. Konrad                                                 66841 Landstuhl

Herr Prof. Dr. Largo                                           CH-8000 Zürich

Herr Dr. Mayer, Dipl. Psych.                              77694 Kehl-Kork

Herr Prof. Dr. Michaelis                                     72076 Tübingen

Herr Prof. Schlack                                             53119 Bonn

Herr PD Dr. Schuntermann                               60322 Frankfurt

Herr Prof. Dr. Dr. h.c. v. Voss                           81377 München

 

 

 

Am 9. und 10. März haben in Schömberg die 1. Schömberger Kinderpflegetage stattgefunden.

Selbsthilfe, Pflege, Heilerziehungspflege, Pädagogik, Therapie, Psychologie, Gutachterwesen und Medizin haben gemeinsam in verschiedenen Workshops Pflegethemen besprochen und

weiterentwickelt. Die Veranstaltung war Teil der Projektarbeiten der interdisziplinären Arbeitsgruppe Kinderpflege.

Die Einführungsreferate zu den Hauptthemen erfolgten morgens im Plenum in den neuen Räumen der Kinderklinik. Danach verteilten sich die insgesamt 80 Teilnehmer/Innen

auf die verschiedenen Workshops zur gemeinsamen Diskussion. Bedingt durch die Struktur und Zielsetzung der Kinderpflegetage mit maximal 20 Teilnehmern pro Workshop war die Teilnehmerzahl für die Pflegetage begrenzt worden. Viele Gäste und Experten haben darüber hinaus abends und früh morgens die Gelegenheit genutzt und an Pflegeprozessen in der Klinik aktiv teilgenommen. Hierbei hat eine Pflegekraft der Klinik mit einem oder maximal zwei Gästen die Pflege eines schwer mehrfachbehinderten Kindes durchgeführt. Das Projekt „gemeinsam Pflegen“ soll angesichts der großen Resonanz in zwei Jahren erneut angeboten werden.

In Thema 1 wurde durch die Referentin Frau Wild (freiberuflich tätige Kinderkrankenpflegerin und Vorstandsmitglied im Berufsverband Kinderkrankenpflege) eingeführt. Dargestellt wurden die Eigenständigkeiten und Besonderheiten der Kinderkrankenpflege. Im nachfolgenden Workshop wurde durch die Züricher Gäste die Entwicklung der Kinderkrankenpflege in der Schweiz vorgestellt. Die Diskussion eröffnete neue Möglichkeiten, um die Aufteilung von Pflege in Grund- und Behandlungspflege zu überwinden und um die kindspezifischen Besonderheiten auch in der Ausbildung besser herauszustellen.

Thema 2 wurde durch Dr. Konrad, Neuropädiater im SPZ Landstuhl und Landessprecher der Grünen in Rheinland-Pfalz, vorgestellt. Das aktuelle Pflegebedarfsfeststellungsverfahren der Pflegeversicherung wurde vergleichen mit dem alternativen Konzept der Arbeitsgruppe Kinderpflege zur verbesserten Pflegebedarfsfeststellung für Kinder. Der Diskussionsstand über das neue Begutachtungsmodell im Gesundheitsministerium, im MDS und bei den Spitzenverbänden wurde dargestellt. Nach dem Ministerwechsel ist die angelaufene positive Diskussion mit dem Ministerium vorerst verstummt. Im nachfolgenden Workshop wurde das bekannte Alternativmodell für die anstehende modellhafte Umsetzung weiterentwickelt.

Thema 3 wurde durch Frau Dr. Hollenweger, Pädagogin in Zürich und Mitarbeiterin der WHO im Rahmen der Entwicklung des ICIDH-2 (Internationale Classifikation der Impairments, Disabilities und Handicaps – 2) vorgestellt. Die pädagogischen Aspekte von Kinderpflege lassen sich mit dem neuen Klassifikationsmodell der WHO besser und im umfassenden Zusammenhang darstellen. Das neue Klassifikationsmodell eröffnet, ausgehend vom Kind, nicht nur einen neuartigen Überblick über die Aufgaben von Pflege, sondern auch eine gemeinsame Sprache über alle helfenden Berufsgruppen hinweg für die Behandlung, Pflege, Rehabilitation und Förderung von chronisch kranken und/oder behinderten Kindern.

Die bisherige gemeinsame Arbeit wurde gewürdigt. Die Arbeitsgruppe Kinderpflege hat ihre Entwicklungen jeweils mit der WHO abgestimmt und die Kinderklinik Schömberg arbeitet seit über einem Jahr auf dem Boden eines innovativen ICIDH-2 Prozessmodells. (Schömberger Modell).

Thema 4 galt der Behandlung und Therapie in der Pflege und wurde durch zwei Referenten vorgestellt: Dr. Böhler (Kinderarzt im MDK- Baden-Württemberg) beschrieb die aktuelle Situation bezüglich medizinischer Behandlungspflege und verwies auf die Grundsatzarbeit der Arbeitsgruppe Kinderpflege zu diesem Thema. Die dort angesprochenen Probleme werden inzwischen zumindest teilweise bearbeitet. Es wurde ein US-amerikanisches Modell vorgestellt, das möglicherweise in der Zukunft auch bei uns Anwendung finden könnte.

Herr Noergaard (Kinderklinik Schömberg) hat als Bobath- Lehrtherapeut die Integration von Therapie in die Pflege anhand verschiedener Beispiele beschrieben. Wiederum war es der ICIDH-2 Ansatz, der überraschend klar die Kooperationsmöglichkeiten transparent machte.

Thema 5 wurde durch Frau Herrmann und Dr. Knecht (Universitäts-Kinderklinik Zürich, Kinderneurologische Rehabilitation in Zürich-Affoltern a.A.) gemeinsam dargestellt.

Anhand von Videobeispielen und auf dem Boden des ICIDH-2 wurde der Begriff der „Rehabilitationspflege“ bei Kindern definiert. Für alle Dimensionen der Krankheiten und der Krankheitsfolgen einschließlich Kontext und Partizipation wurde gerade am Beispiel von Kindern und Jugendlichen im Wachkoma Rehabilitationspflege im Alltag gezeigt.

Thema 6 beschäftigte sich mit alters- und entwicklungsabhängigen Pflegeaspekten.

Durch die Kinderklinik Schömberg (Dr. Diener u. Mitarbeiter) wurde dargestellt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse über gezielte Pflegeinhalte für definierte Entwicklungsalter und verschiedene Entwicklungsstörungen weitgehend fehlen. Analog dem Schömberger Prozessmodell wurde im nachfolgenden Workshop ein Prozessmodell zur Kinderkranken-pflege vorgeschlagen, um die Thematik gezielt aufarbeiten zu können mit nachfolgender Entwicklung definierter Pflegebausteine, die sich einer wissenschaftlichen Überprüfung stellen können.

Thema 7 galt dem Verstehen und Begleiten von Eltern und Umfeld. Herr Voith (Elternarbeit Schömberg) gestaltete als Sozialarbeiter und Theaterpädagoge im Plenum das Thema und den nachfolgenden Workshop. Gerade Familie und Umfeld müssen in Zukunft vermehrt einbezogen werden. Nicht die Institution, sondern Kind und Familie bestimmen Notwendigkeiten, Ziele und Ergebnisse von Pflege. Eine familienorientierte Rehabilitation und Pflege ist gerade für schwer betroffene Familien ein zwingender Bedarf.

 

 

Thema 8 widmete sich einer neuen Arbeitshilfe des MDK Baden-Württemberg für die Pflegebegutachtung bei Kindern. Nach Vorstellung grundlegender Daten zur Pflegeversicherung wurde der Fragebogenentwurf durch Herrn Spät (Kinderkrankenpfleger beim MDK Baden-Württemberg) vorgestellt und im nachfolgenden Workshop diskutiert und bearbeitet. Die Bemühungen um eine bessere Datenlage und Vorbereitung des MDK auf Kinderpflegegutachten wurde ausdrücklich gewürdigt.

Für die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und die Gesellschaft für Sozialpädiatrie bedankte sich abschließend Herr Prof. Von Voss (München) für die erfolgreiche Veranstaltung, ebenso Herr Dr. Lürken für den Medizinischen Dienst der Spitzenverbände (MDS- Essen) und den MDK. Einstimmig haben sich alle beteiligten Berufsverbände und Gesellschaften für eine Wiederholung der Veranstaltung in zwei Jahren ausgesprochen.

Die Projektarbeiten der Kinderpflegetage Schömberg werden im Verlauf der nächsten Wochen zusammengefasst und im Rundlauf von den Teilnehmern weiterentwickelt und korrigiert. Die Arbeitsgruppe Kinderpflege möchte die Arbeitsergebnisse nach Fertigstellung und Abstimmung publizieren.

 

 

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